Wissen vom Judenmord 29.12.2008
Weithin sichtbar: Fensterscheiben eines jüdischen Geschäfts am 19. Juni 1938 in Berlin

Bernward Dörner untersuchte, wie geheim der Holocaust im Zweiten Weltkrieg blieb

Von Jan Korte

Was wußte der einfache Deutsche vom größten Menschheitsverbrechen der Geschichte? Daß ein industriell durchgeführter Massenmord an Millionen Frauen, Kindern und Männern nicht völlig geheim bleiben konnte, leuchtet ein. Nach neueren Forschungen waren zwischen 200000 und 500000 Deutsche direkt in den Mordapparat involviert: ...

 

Der zweite Tag 06.11.2008
Nahezu unblutig eroberte Hauptstadt: Revolutionäre Truppen in Berlin (9. oder 10. November 1918) Und: Terror gegen links: Regierungstruppen in Berlin (Anfang 1919)

November 1918 in Deutschland: »Die größte aller Revolutionen« – die heute fast vergessen ist und mit der größten Niederlage endete

Von Klaus Gietinger

»Man kann sie die größte aller Revolutionen nennen, weil niemals eine so fest gebaute, mit soliden Mauern umgebene Bastille so in einem Anlauf genommen wurde.« Mit diesen Worten feierte Theodor Wolff, Chefredakteur des liberalen Berliner Tageblatts, am 10.11.1918 die Revolution, die einen Tag zuvor stattgefunden hatte: Sie ist als Novemberrevolution in die Geschichte eingegangen. In der heutigen Öffentlichkeit spielt sie so gut wie keine Rolle, und auch in historischen Büchern führt sie ein Mauerblümchendasein. Dabei beziehen sich mindestens zwei geschichtliche Ereignisse in Deutschland direkt auf sie: Hitlers und Ludendorffs Versuch, am 9.11.1923 das Ganze wieder umzukehren, und, als dies 1933 gelungen war, am 9.11.1938 den Juden jegliche Schuld in die Schuhe zu schieben und sie dafür – einstweilig – mit einem großen Pogrom büßen zu lassen. (...)

 

Deutscher Oktober 20.10.2008
Proletarische Verteidigung: Aufruf der KPD aus dem Jahr 1923
Und: Terror der Reaktion: Von Reichswehrsoldaten in Freiberg (Sachsen) ermordete Arbeiter (Oktober 1923)

Im Herbst 1923 scheiterte ein kommunistischer Aufstandsplan

Von Nick Brauns

Am 26. September 1923 hatte die Reichsregierung unter Kanzler Gustav Stresemann (Deutsche Volkspartei – DVP) angesichts der finanziellen Misere den »passiven Widerstand« gegen die französische Besetzung des Ruhrgebiets aufgegeben und die Wiederaufnahme der Reparationsleistungen angeordnet. Von Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) wurde am folgenden Tag aus Sorge vor einem Rechtsputsch der Ausnahmezustand »zum Schutz der Republik« ausgerufen und die vollziehende Gewalt auf Reichswehrminister Otto Geßler und den Chef der Heeresleitung General von Seeckt übertragen. Damit war Deutschland de facto eine Militärdiktatur. ...

 

Ein Zweifrontenkrieg 13.09.2008
Geheucheltes Mitgefühl: Im Kern ging es dem Westen darum, die Entwicklung in den
realsozialistischen Ländern rückgängig zu machen (Spiegel-Titel vom 22.7.1968)  Foto: jW-Archiv

1968 und strategische Herausforderungen des Realsozialismus

Von Ekkehard Lieberam

Wir dokumentieren im folgenden das Referat, das Prof. Ekkehard Lieberam auf der Konferenz »1968. Eine globale Revolte und ihre Bilanz« gehalten hat, die am vergangenen Wochenende in Gütersloh stattfand.
Veranstaltet wurde sie von der »Sozialistischen Kooperation«, einem Bündnis, das getragen wird von der Bildungsgemeinschaft SALZ e. V., der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Marx-Engels-Stiftung Wuppertal, der MASCH Hamburg sowie verschiedenen linken Zeitungen und Zeitschriften. Referenten und Diskussionsteilnehmer waren u. a. Kyrosch Alidusti, Wolfgang Dreßen, Kai Ehlers, Georg Fülberth, Angela Klein, Gisela Notz, Steffen Roski, Bernhard Schmid, Robert Steigerwald und Winfried Wolf. (jW)

Prof. Ekkehard Lieberam ist Rechts- und Politikwissenschaftler und Sprecher des Marxistischen Forums Sachsen in und bei der Linkspartei

 

Hitlers Sprengsatz 12.09.2008
Konrad Henlein, Führer der Sudetendeutschen Partei, begrüßt nach dem deutschen
Einmarsch in Österreich die »Heimkehr des alpenländischen Volkstums« (17.3.1938)  Foto: jW-Archiv

Vorabdruck. Der gescheiterte Putsch der Henlein-Partei 1938 in der Tschechoslowakei. Aus dem Buch »September 1938. Die Sudetendeutsche Partei und ihr Freikorps«

Von Werner Röhr

 

Barbarischer Terror 08.09.2008
Nazi-Befehlshaber Ludwig Kübler: »Im Kampf ist alles richtig, was zum Erfolg führt«
(48 Italiener kurz vor ihrer Erschießung, Juni 1944)  Foto: jW-Archiv

Vor 65 Jahren überfiel Hitlerdeutschland mit Italien seinen wichtigsten Verbündeten. Weit über hunderttausend Ermordete und planmäßige Ausplünderung des Landes waren die Folge

Von Martin Seckendorf

Dr. Martin Seckendorf ist Historiker und Mitglied der Berliner Gesellschaft für Faschismus- und Weltkriegsforschung e.V.

 

Berlin zweigeteilt 06.09.2008
Berlins Geschicke nicht US-gelenkten Politikern überlassen: »Kommunisten«
stürmen im September 1948 eine Stadtverordnetenversammlung  Foto: jW-Archiv

Die SPD spaltete vor 60 Jahren unter US-Anleitung die Stadtverwaltung. Bürgerliche Politiker wollten beim Regieren ihre Ruhe haben. Schuld gaben sie den Kommunisten mit ihren ständigen Demonstrationen für die Einheit Deutschlands

Von Mark Altten

Am 6. September 1948 wurde als sichtbarstes Zeichen der längst in vielen Bereichen vollzogenen Spaltung Berlins die gemeinsame Stadtverwaltung zerschlagen. Die Gewerkschaften und die Polizei waren bereits in Ost und West gespalten, zwei Währungen ruinierten die Wirtschaft. ...

 

»Keine Kameraden« 26.08.2008
Juni 1941: Sowjetische Kriegsgefangene begegnen einer auf dem Vormarsch befindlichen
Wehrmachtseinheit   Foto: Archiv

Hitlers Diktum wirkt fort: Der Massenmord an sowjetischen Kriegsgefangenen ist aus dem öffentlichen Gedächtnis verdrängt

Von Hans Daniel

Dreieinhalb Millionen sowjetische Kriegsgefangene sind von den mit der faschistischen Wehrmacht kooperierenden SS-Einsatzkommandos, in den Kriegsgefangenen- und Konzentrationslagern im »Reich« durch Hunger, Vergasung, mörderische Ausbeutung in der Rüstungsindustrie oder bei medizinischen Experimenten umgebracht worden. 1,5 Millionen davon in den ersten sechs Monaten nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941. Nächst sechs Millionen ermordeten europäischen Juden stellen die Rotarmisten die größte Opfergruppe des faschistischen Regimes dar.

In der ihrer parlamentarischen Befassung harrenden »Fortschreibung der Gedenkstättenkonzeption des Bundes gemäß Koalitionsvertrag vom 11. November 2005« findet dieser Tatbestand trotz des vorangestellten hehren Mottos »Verantwortung wahrnehmen, Aufarbeitung verstärken, Gedenken vertiefen« mit keinem Wort Erwähnung. Das verwundert nur auf den ersten Blick. Bei der Rückschau auf die Wahrnehmung dieses mörderischen Kapitels deutscher Geschichte in den Nachkriegsjahren kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß das schon Monate vor dem Überfall auf die Sowjetunion verkündete Diktum Adolf Hitlers zumindest in der »Erinnerungskultur« Bestandsschutz genossen hat: »Wir müssen vom Standpunkt des soldatischen Kameradentums abrücken. Der Kommunist ist vorher kein Kamerad und nachher kein Kamerad«, hatte Hitler am 30. März 1941 vor 250 führenden Militärs dekretiert.

Massenmord mit Zyklon B

Entsprechend waren im November 1941 im Konzentrationslager Auschwitz 1000 sowjetische Kriegsgefangene als »fanatische Kommunisten« oder »politisch Untragbare« »zur Probe« mit Zyklon B vergast oder erschossen worden. Im KZ Sachsenhausen wurden »bestimmungsgemäß« fast zeitgleich über zehntausend nicht registrierte Angehörige der Roten Armee in Vergasungsfahrzeugen. in Genickschußanlagen oder durch nicht behandelten Typhus umgebracht. Ende September 1942 ermordete die SS im Bunker des KZ Neuengamme nahe Hamburg 197 sowjetische Kriegsgefangene mit dem von der Hamburger Firma Tesch & Stabenow gelieferten Giftgas Zyklon B. ...

 

Revolution im Völkerrecht 23.08.2008
Propagandafoto der Faschisten vom Überfall auf Polen - trotz Unterzeichnung
des Briand-Kellogg-Pakts gegen Aggressionskriege  Foto: jW-Archiv

Am 27. August 1928 wurde der Briand-Kellogg-Pakt unterzeichnet

Von Gregor Schirmer

Das Gemetzel des Ersten Weltkrieges war für die Herrschenden nicht Grund genug, um in der Satzung des Völkerbunds von 1919 ein klares Verbot des Aggressionskrieges zu verankern. Die Beherrschten hatten nicht die Kraft und wohl auch nicht den Willen, ein solches Verbot zu erzwingen. Lenins Dekret über den Frieden blieb im Westen ungehört und hatte keine völkerrechtlichen Konsequenzen. 1924 scheiterte das bereits unterzeichnete Genfer Protokoll, das ein deutliches Verbot des Angriffskrieges enthielt, an der Ablehnung der Ratifikation durch Großbritannien. Nach den zwiespältigen Verträgen von Locarno 1925 kam es dann – nicht zuletzt unter dem Einfluß der stärker gewordenen Friedensbewegung – außerhalb des Völkerbunds 1928 zum Abschluß des Briand-Kellogg-Pakts. Der Vertrag über die Ächtung des Krieges wird gewöhnlich nach seinen Initiatoren Aristide Briand, der von 1925 bis 1932 Außenminister Frankreichs war, und dessen US-amerikanischen Kollegen Frank B. Kellogg (1925–1929) benannt. Kellogg erhielt 1929 den Friedensnobelpreis. ...

 

Mord und Massenmord 12.07.2008
Von vier Schüssen getroffen: IKP-Generalsekretär Palmiro Togliatti wird den Anschlag überleben (Rom 14.7.1948)
Foto: dpa

Mit dem Anschlag auf Palmiro Togliatti sollte die italienische KP zum bewaffneten Aufstand provoziert werden – um sie zu vernichten

Von Gerhard Feldbauer

... Führende Kraft dieses Widerstandes war die über zwei Millionen Mitglieder zählende IKP. Um sie auszuschalten und einen Keil in die Aktionseinheit zu treiben, inszenierte man in Washington den Mordanschlag auf Togliatti. Er sollte die IKP und ihre Anhänger zum bewaffneten Aufstand provozieren, um sie per Blutbad liquidieren zu können. ...

 

Gegen den Todfeind 12.07.2008
Die Zeitung Freies Deutschland gehörte neben dem gleichnamigen Rundfunksender zu den
Propaganda­organen des Nationalkomitees Foto: jW-Archiv

»Hitler muß fallen, damit Deutschland lebe!« – Berührungspunkte und Kontakte zwischen dem vor 65 Jahren gegründeten Nationalkomitee »Freies Deutschland« und den Verschwörern des 20. Juli 1944

Von Peter Rau

 

Spaltung nach Drehbuch 20.06.2008
Gegen den Alleingang der Westmächte: Großkundgebung anläßlich des
Landesvolkskongresses in Halle/Saale (24. Januar 1948)

Berlin, Juni 1948 – die Währungsteilung und die sogenannte Luftbrücke

Von Mark Altten

 

Der Weg zum Sieg 19.06.2008
1943. Der Kommandeur der Pinsker Partisanenbrigade Gerassimow und Kommissar Kunkow
legen mit Angehörigen der Einheit den Plan zur ­Zerschlagung einer deutsch-faschistischen Garnison fest

Deutsche Besatzungspolitik und antifaschistischer Widerstand auf dem Gebiet der heutigen Republik Belarus

Von Pjotr Schupljak

 

Der Prozeß in Ulm 18.06.2008
Lebten lange unbehelligt im Wirtschaftwunderland: ehemalige Angehörige
der »Einsatzgruppe Tilsit« auf der Anklagebank

Vor 50 Jahren wurde das Urteil gegen die Angehörigen der faschistischen Mordeinheit »Einsatzgruppe Tilsit« gesprochen

Von Kurt Pätzold

 

Geben und Nehmen 14.06.2008
Finanziers im Hintergrund: die »Industrieführer« Albert Vögler, Theodor von Renteln und
Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (v. l.) auf einer NSDAP-Kundgebung (7.10.1933)

Vor 75 Jahren: Geldsegen für die NSDAP. Von den heimlichen Förderern der Nazipartei zur »Adolf-Hitler-Spende«

Von Kurt Pätzold

 

Mit eiserner Faust 07.06.2008
Ohne Erfolg beim türkischen Militär: Der alevitische Geistliche Seyid Riza
(Mitte) forderte Autonomie für das kurdische Volk (Aufnahme vom 7.8.1937)

Die Niederschlagung des Aufstandes der Dersim-Kurden vor 70 Jahren

Von Nick Brauns

 

Trügerischer Frieden 24.05.2008
Bulgarische Truppen belagern die Stadt Adrianopel (heute: Edirne), die
letzte europäische Festung vor der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel (1912)

Der Vertrag von London vom 30.5.1913 beendete die türkische Herrschaft in Europa

Von Nick Brauns